Reggio

Unsere tägliche Zusammenarbeit mit den Kindern orientiert sich an den Grundsätzen der Reggio-Pädagogik. Sie ist kein Modell, sie ist vielmehr eine Erziehungsphilosophie. Ihr Konzept findet mittlerweile weltweit Anerkennung. Im Mittelpunkt stehen wahrnehmende, forschende und lernende Kinder, deren Erfahrungen und Ausdrucksvielfalt sich in "100 Sprachen" äußern.

Die Reggio-Pädagogik betont immer wieder die Einzigartigkeit eines jeden Kindes. Insofern ist keinem Kind vorzumachen, wie es wann was lernen sollte. Das macht die Reggio-Pädagogik auch für Integrationskinder interessant.

Bayerischer Bildungs- und Erziehungsplan

Nachfolgende, allgemeine Beschreibung orientiert sich an unserem Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan. Die konkrete Umsetzung mit den Kindern in den Gruppen fließt automatisch in den gesamten Tagesablauf ein, z.B. im Morgenkreis, im Freispiel oder bei der Vorschulerziehung, findet aber ihren Höhepunkt in der Projektarbeit.

Wertorientierung und Religiosität

Kinder erfragen unvoreingenommen die Welt und stehen ihr staunend gegenüber. Sie stellen Grundfragen nach dem Sinn und den Werten verschiedener Sachen und nach Leben und Tod. Ethisch-religiöse Erziehung ist in der Bayerischen Verfassung grundgelegt und ergibt sich für unsere Einrichtung durch die Trägerschaft des Klosters automatisch. So ist es uns ein selbstverständliches Anliegen, dass die Kinder in ihrer Krippen- und Kindergartenzeit eine Grundlage erhalten damit sie später einmal in der Lage sind, eine eigenverantwortliche Entscheidung für den Glauben zu treffen. Wichtig sind aber auch positive Einstellungen gegenüber der Natur, der Umwelt und dem Leben generell. Durch gemeinsames Beten und Singen im Morgenkreis, durch Erzählungen, Geschichten, Bilderbücher und Feiern von Festen der katholischen Kirche im Jahreskreis oder Mitgestalten von Gottesdiensten gewinnen die Kinder eine erste Orientierung für das Leben und es entfalten sich Erwartungshaltungen.

Emotionalität, soziale Beziehungen und Konflikte

Emotionale und soziale Bildung und Erziehung ist ein wichtiger Kernbereich der Elementar- und Frühpädagogik. Einrichtungen wie wir können Kindern optimale Voraussetzungen dafür bieten soziale Beziehungen außerhalb der Familie aufzubauen, Freundschaften zu schließen, konstruktives Konfliktverhalten einzuüben, den Ausdruck ihrer Gefühle zu erlernen, das Aufstellen sozialer Regeln zu erproben und damit ein positives Selbstbild zu entwickeln. In sozialen Lernaktivitäten bringen sich alle beteiligten Kinder und Erwachsene automatisch mit Emotionen ein. Für einen respektvollen Umgang sind gewisse Grundregeln nötig, die wir den Kindern vorleben. Dazu gehören vor allem das aktive Zuhören und das Senden von Ich-Botschaften.

Sprache und Literacy

Die Freude am Sprechen und am Dialog ist ein wichtiger Schwerpunkt in der Elementarpädagogik. Vor allem der Morgenkreis bietet den Kindern die Möglichkeit zur besten Entwicklung in diesem Bildungs- und Erziehungsziel. Durch das Vorlesen oder Erzählen von Bilderbüchern, Märchen und Erzählungen entwickeln die Kinder Textverständnis und lernen Zuhören. Durch Fingerspiele, Reime, Rätsel, Gedichten, Klanggeschichten, Singspiele und Liedern entdecken die Kinder die Kreativität der Sprache. Die „phonologische Bewusstheit“ ist ein Teilaspekt der „Literacy-Erziehung“, die besonders im letzten Kindergartenjahr vor der Einschulung an großer Bedeutung gewinnt. Durch das Lernprogramm „Wuppi“ sollen die Vorschulkinder einen besseren Einblick in die Lautstruktur der gesprochenen Sprache bekommen und der Schriftspracherwerb somit erleichtert werden. Wesentlich für die Entwicklung von sprachlicher Bildung sind nicht nur sprachintensive, pädagogische Angebote, sondern auch alltägliche, qualitativ hochwertige Materialien. Diese finden die Kinder bei uns in einer kleinen Kinderbibliothek, die klar abgegrenzt und attraktiv gestaltet ist.

Informations- Kommunikationstechnik und Medien

In unserer modernen Gesellschaft sind Informations- und Kommunikationstechnik und Medien maßgebliche Faktoren des öffentlichen, politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und beruflichen Lebens. Sie sind dementsprechender Bestandteil unserer Umwelt. Kinder wachsen mit diesen Sachen auf und zeigen häufig großes Interesse z.B. für Handys, Computer, Telefon, Digitalkameras, usw. Eine stark medienlastige Kindheit birgt aber auch Gefahren und Risiken, wenn Medien z. B. das vorwiegende Betätigungsfeld des Kindes sind oder von erwachsenen Bezugspersonen als Ersatz für Spiel oder Zuwendung eingesetzt werden. Im Kindergarten suchen wir mit den Kindern gemeinsam Informationen in Büchern, Zeitungen, Zeitschriften oder auch im Internet. Die Kinder haben Zugang zu Hör- und Musikkassetten, CDs und Computer. Wir machen Fotos und besuchen die Gemeindebücherei. Durch die Begleitung von Erwachsenen können die Kinder eine sinnvolle und mäßige Medienkompetenz erwerben. Wir wollen dazu beitragen, dass Kinder die Möglichkeiten, die in diesen Medien stecken, kennen und nutzen lernen und so die Risiken zu minimieren.

Mathematik

Mathematische Bildung erlangt in der heutigen Gesellschaft eine zentrale Bedeutung. Ohne mathematisches Grundverständnis ist es schwer im Alltag zu Recht zu kommen. Mathematisches Denken ist Basis für lebenslanges Lernen sowie die Grundlage für Erkenntnisse in fast jeder Wissenschaft, Technik und Wirtschaft. Geometrische Formen, Zahlen und Mengen lassen sich überall entdecken. Durch das Auseinandersetzen mit mathematischen Inhalten und Gesetzmäßigkeiten machen Kinder bereits die Erfahrung von Beständigkeit, Verlässlichkeit und Wiederholbarkeit. Im Kindergarten lernt das Kind den Umgang mit Formen, Mengen, Zahlen sowie mit Raum und Zeit. Wir stellen z.B. verschiedene Würfel-, Zahlen- und Formenspiele, Puzzles, Kugeln, Magnete und Bauklötze zur Verfügung. Zur Schulvorbereitung arbeiten wir mit dem Programm „Zallala - Entdeckungen im Zahlenland“ nach Prof. Preiß. Hier werden die Kinder mit Eigenschaften und Anwendungen der Zahlen von 1 bis 6 vertraut und lernen einfache Rechenbeispiele und geometrische Formen, erste Fachbegriffe und Symbole aus der Mathematik.

Naturwissenschaften und Technik

Unsere Kinder wachsen heute in einer hoch technisierten Wissensgesellschaft auf. Naturwissenschaften und Technik prägen unser tägliches Leben und üben großen Einfluss auf unsere gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung aus. Kinder zeigen hohes Interesse an Alltagsphänomenen der belebten und unbelebten Natur und an Technik. Sie sind bestrebt nachzuforschen und herauszufinden warum etwas so ist oder wie etwas funktioniert. Durch die Einrichtung einer kleinen Experimentierecke, die mit einem Elektronikbaukasten, Lupen, Mikroskopen, Wasser und Gefäßen ausgestattet ist haben die Kinder während der Freispielzeit die Möglichkeit zum Forschen, Experimentieren und Entdecken.  Bei unserem Vorschulprogramm  „Forschen mit Fred“  werden die Kinder mit folgenden Themen konfrontiert, z.B. Luft und Gase/ Wasser und Flüssigkeiten/ Heiß und Kalt/ Licht und Schatten, Farben, Schall, Töne und Musik, Magnetismus, Elektrizität, Kräfte und Technik, Bewegung, Gleichgewicht und Lebewesen unserer Erde.

Umweltbildung und -erziehung ...

… sind gerade in unserer Zeit, vor dem Hintergrund globaler ökologischer Veränderungen von zentraler Bedeutung. Im Elementarbereich nimmt Umweltbildung und Erziehung ihren Ausgang von der Naturbegegnung. Wir versuchen, die Kinder dafür zu sensibilisieren, wie wichtig und wie schön eine gesunde Umwelt, saubere Luft und sauberes Wasser für uns alle ist und überlegen gemeinsam mit ihnen, was wir dazu beitragen können. Die Kinder erfahren ökologische Zusammenhänge und Abhängigkeiten, lernen Umweltprobleme zu erkennen und entwickeln Handlungsmöglichkeiten und Problemlösungen. Sie entwickeln Eigeninitiative und lernen in Kooperation mit anderen sich für eine gesunde Umwelt zu engagieren. Dies beginnt im Kleinen und fängt damit an, dass wir keine Käfer zertreten, mit Wasser sorgsam umgehen und hört mit der Mülltrennung in unseren Gruppenräumen noch lange nicht auf. Dazu gehören auch die Ernährungswochen nach der Faschingszeit, das gesunde Frühstück am Ende jedes Monats und die Besuche im Waldkindergarten Heinriching.

Ästhetik, Kunst und Kultur ...

... sind untrennbar miteinander verbunden. Kinder machen von Geburt an Erfahrungen mit allen Sinnen, sprich erste ästhetische Erfahrungen, die durch aufmerksame und zugewandte Bezugspersonen verstärkt werden. Wir verstärken und erweitern die bisherigen sinnlichen Erfahrungen der Kinder durch das zur Verfügung stellen vielfältiger Materialien und Werkzeuge zum Malen, Zeichnen, Formen, Basteln, Gestalten und Sich - Darstellen in den dazu passend eingerichte-ten Funktionsbereichen Kreativwerkstatt, Musik- und Verkleidungsecke. Sie haben auch die Möglichkeit ihre Werke und Ergebnisse zu präsentieren. In verschiedenen Projekten und Angeboten bieten wir den Kindern an unsere Kultur und fremdes Kulturgut kennen zu lernen, sich damit auseinanderzusetzen und dabei zu erkennen, dass „Schönheit“ und „Hässlichkeit“ eine Form der subjektiven Wahrnehmung sind und in entscheidendem Maße vom sozialen, familiären und kulturellen Umfeld geprägt sind.

Musik

Kinder hören schon im Mutterleib, das Ohr ist früh ausgebildet. Säuglinge leben in den ersten Lebensmonaten überwiegend in einer „Klangwelt“, d. h. sie nehmen akustische Reize viel stärker wahr als optische. Alle (hörenden) Kinder haben Freude am Hören und Produzieren von Tönen, Geräuschen und Musik. Musik kann zum Wohlbefinden beitragen, kann aber auch als unangenehm empfunden werden. Musik ist ein ideales Medium für Kinder sich mitzuteilen, auszudrücken oder sich abzureagieren. Gemeinsames Musizieren und Singen fördert die Gemeinschaft und das aktive Zuhören wird trainiert. Bei uns haben die Kinder die Möglichkeit Musik auf verschiedene Art und Weise zu erleben. Sie können mit verschiedenen Orff- und Musikinstrumenten experimentieren, es steht ihnen ein CD- und Kassettenspieler mit Hörspielen zur Verfügung. Im Morgenkreis singen und musizieren wir, machen Fingerspiele oder spielen zu Klanggeschichten. Bei Festen, Feiern wie z.B. Muttertag, Vatertag, Oma-Opa-Tag oder Sommerfest und bei Gottesdiensten gestalten die Kinder Aufführungen musikalisch mit.

Bewegung, Rhythmik, Tanz und Sport

Bewegung ist für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Kinder unerlässlich. Sie ist ein wichtiges Mittel, Wissen über die Umwelt zu erwerben, die Umwelt zu „begreifen“, auf die Umwelt einzuwirken. Wir geben dem natürlichen Bewegungsdrang der Kinder Raum durch die Gruppenöffnung nach dem Morgenkreis, die Raumgestaltung und durch gruppenübergreifende Projektarbeit. Wir gehen in den Garten. Die Bewegungsmöglichkeiten im Garten sind sehr vielfältig (Fahrzeuge, Rutschbahn, Klettergeräte, Schaukeln, Wippe, Sandkasten, Fußballtor, Balancierbalken, Stelzen, usw.) Im Sommer stellen wir zusätzlich ein Planschbecken für Wasserspiele auf. Für Rhythmik- und Bewegungsangebote steht uns der Bewegungsraum zur Verfügung, den die Kinder auch während der Freispielzeit nutzen können. Turnstunden finden einmal wöchentlich statt. Die Vorschulkinder dürfen an diesem Tag die Gemeindeturnhalle nutzen, alle anderen Kinder turnen im Bewegungsraum. Alle Kinder gemeinsam wäre aus Platzgründen nicht möglich.

Gesundheit

Gesundheit bedeutet mehr als nur das Freisein von Krankheit. Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist sie ein Zustand von körperlichem, seelischem, geistigem und sozialem Wohlbefinden. Die Kinder lernen selbst Verantwortung für ihr eigenes Wohlergehen, ihren Körper und ihre Gesundheit zu übernehmen. Sie erfahren was für ein gesundheitsbewusstes Leben wichtig ist und lernen gesundheitsförderndes Verhalten. Das beginnt bei uns schon täglich bei der gleitenden Brotzeit. Die Kinder entscheiden, wann, wie viel, was und mit wem sie essen möchten. Im täglichen Gespräch, vor allem aber bei den Gesundheits- und Ernährungswochen und dem monatlichen, gesunden Frühstück erfahren die Kinder viel über Herkunft und Produktion unserer Lebensmittel, Hygiene und Zahn-gesundheit. Das Kennenlernen des eigenen Körpers und seiner Funktionen, das Benennen von Körperteilen und dadurch auslösbarer Empfindungen ist auch ein wichtiger Schutz vor Missbrauch. Im Bereich Prävention erarbeiten wir mit den Kindern die Bereiche Unfallverhütung, verschiedene Krankheiten, Arztbesuchen, Krankenhausaufenthalten, „Nein“-sagen-können, gewaltfreie Konfliktlösung und auch das sensible Thema Tod.

Basiskompetenzen

Die Basiskompetenzen des Kindes gliedern sich laut Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan in 4 Bereiche.

  • Personale Kompetenzen (Selbstwahrnehmung, motivationale, kognitive und physische Kompetenzen)
  • Kompetenzen zum Handeln im sozialen Kontext (soziale Kompetenzen, Entwicklung von Werten und Orientierungskompetenz, Fähigkeit und Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme und zur demokratischen Teil-habe)
  • Lernmethodische Kompetenz („Lernen, wie man lernt“)
  • Kompetenter Umgang mit Veränderungen und Belastungen (Widerstands-fähigkeit – Resilienz).

Wir fördern die Basiskompetenzen, z.B. durch die Raumgestaltung, durch tägliche Gespräche, durch Angebote und Projektarbeit, durch die Vermittlung von Werten und Geborgenheit, durch den persönlichen Umgang miteinander, der geprägt ist von Rücksichtnahme, Toleranz, Akzeptanz, Solidarität, Wertschätzung und Lob, aber auch Kritik, wenn sie angebracht sind. Die Kinder übernehmen kleine Aufgaben, verstehen und akzeptieren Regeln. Durch das tägliche Spielen im Garten, die Schaffung von Bewegungsmöglichkeiten, Angeboten zu den Themen Gesundheit, Hygiene und Ernährung lernen die Kinder sich selbst, ihren Körper und die damit verbundenen Möglichkeiten und Fähigkeiten wahrzunehmen und somit physische, kognitive, soziale, motivationale Kompetenzen sowie Resilienz. Eine unserer größten Aufgaben im Alltag ist das Beobachten der Kinder, sich zurück nehmen und die Kinder selbst nach Lösungen suchen lassen. Lernen durch eigenhändiges Ausprobieren und Forschen hat einen viel größeren Lerneffekt, als die Antwort von einem Erwachsenen zu bekommen.